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Dokumentation: Hettstadts Gemeinderat
und das Mittelalter
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Mit „Bestürzung“, so die Main-Post vom 29.9.07, reagierten Hettstädter Gemeinderäte auf die Frage, die wir als Landwirte des Gutes Terra Nova am 11.9. 07 in einem Handzettel stellten: ob die Zerstörungen in einer von Urchristen betriebenen Apfelplantage in Hettstadt in der Nacht vom 10. auf den 11. September „die Folge der intoleranten Hetze mittelalterlicher Gemeinderäte“ sein könnten. (Die Main-Post verkürzte dieses Zitat übrigens in irreführender Weise, indem sie behauptete, wir hätten geschrieben, die Tat selbst sei nach unserer Vermutung „intolerante Hetze mittelalterlicher Gemeinderäte“. Ein erheblicher Unterschied!) Laut Main-Post erregten sich mehrere Gemeinderäte über diese Frage und bezeichneten sie als „Hetze“ (so Bürgermeister Eberhard Götz) und „Nadelstiche“ (so Gemeinderat Hermann Freund, SPD). Weder der derzeitige noch frühere Gemeinderäte seien jemals „mittelalterlich“ gewesen. Wohlgemerkt: wir haben keineswegs alle jetzigen und früheren Gemeindräte als „mittelalterlich“ bezeichnet. Wir haben lediglich eine Frage gestellt. Und wer sich angesprochen fühlt, der schreit bekanntlich auf. Sicher war unsere Frage für manche Zeitgenossen nicht angenehm. Aber angenehm ist es auch nicht, wenn man, wie das Gut Terra Nova, zum wiederholten Male zur Zielscheibe von gewalttätigen Angriffen wird. Ehe man sich erregt, sollte man einmal in Ruhe darüber nachdenken, was „mittelalterlich“ in diesem Zusammenhang bedeuten könnte. Und man sollte einmal die Tatsachen sprechen lassen. Was ist mit „mittelalterlich“ gemeint? Im Mittelalter gab es nur einen Glauben, der ausgeübt werden durfte. Wer davon abwich, war ein „Ketzer“, mit dem jeder machen durfte, was er wollte. Kein Katholik durfte mit einem „Ketzer“ verkehren, durfte mit ihm irgendwelche Geschäfte machen, sonst war er selbst in Gefahr, von der Inquisition heimgesucht zu werden. Und wie ist es heute? Wie wurden die Urchristen in den vergangenen mehr als 20 Jahren in Hettstadt behandelt? Lassen wir einmal Tatsachen sprechen, damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können, ob der Begriff „mittelalterlich“ wirklich so weit hergeholt ist. Wir tun dies nicht, um in der Vergangenheit zu wühlen oder weil wir nachtragend wären. Als Christen haben wir denen, die gegen uns waren und sind, längst vergeben. Doch wenn in der Öffentlichkeit diese Vergangenheit, die in vieler Hinsicht noch Gegenwart ist, nicht nur schöngeredet, sondern schlicht falsch dargestellt wird, dann schweigen wir nicht, sondern geben der Wahrheit die Ehre. Was sagen nun die Tatsachen? Wir wollen dem Gedächtnis unserer Gemeinderäte etwas auf die Sprünge helfen: O Vor fast 22 Jahren, am 12.11.1985, war es der oben erwähnte Hermann Freund (SPD), der im Fraktionsausschuss des Gemeinderats Hettstadt die Frage an den Architekten Walter Frisch stellte: „Stehen Sie dem Heimholungswerk nahe?“ Allein schon diese Frage war mittelalterlich und zudem verfassungswidrig. Denn nach dem Grundgesetz darf der Glaube eines Mitbürgers bei Baugebietserschließungen und anderen gemeindlichen Maßnahmen keine Rolle spielen. O In der Folgezeit trug der Gemeinderat Hettstadt mehrheitlich die Linie des damaligen Bürgermeisters Waldemar Zorn (CSU) mit, der urchristlichen Grundstückskäufern aus Glaubensgründen die bereits zugesagte Erschließung des Baugebiets Grundweg/Herrenäcker verweigerte. Bekanntlich dauerte der anschießende Rechtsstreit volle 8 Jahre und endete damit, dass die ausgeschlossenen Grundstücksbesitzer angesichts eines weiter bevorstehenden unabsehbaren Rechtswegs schließlich aufgaben und ihre Grundstücke an die Gemeinde verkauften. Wenig später wurde das Baugebiet mit der Hilfe eines katholischen Siedlungswerks erschlossen. Der Würzburger Bischof Scheele weihte es persönlich ein. Die Entwicklung der Gemeinde war während dieser gesamten Zeit blockiert. Sie hatte keinerlei Vorteile davon, im Gegenteil. Doch wie im Mittelalter war der Glaube von Mitbürgern wichtiger als alle anderen Erwägungen. Wer einem „Ketzer“ etwas gibt, und sei es ein bereits zugesagtes Recht, dem droht nach kirchlicher Lehre die „ewige Verdammnis“. O Der Gemeinderat beschloss in jenen Jahren eine ganze Reihe absurder Schikanen gegen die Urchristen, so etwa ein Verbot, runde Bauformen zu verwenden. Dieses Verbot wurde später gerichtlich wieder aufgehoben. Wie im Mittelalter: Was ein „Ketzer“ tut, ist immer falsch und muss unterbunden werden. O Als im Juni 1986 der lutherische Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack in der Herzog-Hedan-Halle zwischen Bierdunst und Rauchschwaden derartig gegen die Urchristen hetzte, dass hinterher von uns namentlich nicht bekannten Personen geschrieen wurde: „An die Wand sollte man sie stellen, alle wie sie nacheinander dastehen!“, „Aufhängen sollte man euch!“ und anderes mehr, da rührte sich keine einzige Stimme der anwesenden Gemeinderäte, um ihre Mitbürger gegen den Volksaufwiegler im Pfarrersrock in Schutz zu nehmen. Was ein Pfarrer sagt, das stimmt. Wer ihm widerspricht, dem geht es schlecht. Und die „Ketzer“ kommen eh’ in die Hölle, da kann man ihnen offenbar auch mit Mord- und Totschlag drohen. So dachte man jedenfalls im Mittelalter. O In den Jahren 1993 und 1994 musste der Hettstädter Bürgermeister Waldemar Zorn dreimal Bußgelder in Höhe von insgesamt 22 500 Mark bezahlen, weil er die Urchristen öffentlich verunglimpfte – und dabei ein extra gegen ihn verhängtes Gerichtsurteil missachtete, das ihn als Amtsperson zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtete. Den Betrag entnahm er wie selbstverständlich der Gemeindekasse, ohne dass der Gemeinderat protestierte. „Treu und Glauben braucht einem Ketzer gegenüber nicht gehalten zu werden“, sagte man im Mittelalter, im Gegenteil: Ein Landesherr, der sich nicht an der Verfolgung von „Ketzern“ beteiligte, mit welchen Mitteln auch immer, schwebte in großer Gefahr. Alles Vergangenheit? Soweit einige Beispiele zu den Gemeinderäten der Vergangenheit, die teilweise noch immer in Amt und Würden sind. Näheres zu diesen Jahren finden Sie in dem Buch „Der Steinadler und sein Schwefelgeruch – das neue Mittelalter“. Und wie sieht es in der jetzigen Wahlperiode (2002-2008) aus? O Im Juli 2003 trat Bürgermeister Eberhard Götz - zeitgleich mit dem für seine notorisch abfällige Berichterstattung über die Urchristen bekannte Main-Post-Journalisten Tilmann Toepfer – aus der Ortsgruppe Hettstadt des Bundes Naturschutz aus. Begründung: Die Ortsgruppe des BN hatte dazu eingeladen, zusammen mit dem bekannten Naturschützer Heinrich Benjes die nach dessen Anregungen angelegten „Benjes-Hecken“ auf dem Gut Terra Nova zu besichtigen. Von Religion war vor, während und nach dieser Besichtigung keine Rede. Der Bürgermeister hat damit rund 250 Einwohner seiner Gemeinde, die den Urchristen nahe stehen, de facto zu Menschen zweiter Klasse erklärt, mit denen er nichts zu tun haben will. Schon im Mittelalter durfte man das, was ein „Ketzer“ tut, nicht gut finden. Und auch von Menschen, die sich in irgendeiner Weise mit „Ketzern“ einlassen, musste man sich umgehend distanzieren, sonst musste man zumindest um seinen Job bangen. Alles Vergangenheit? O Im Jahr 2004 lehnte der Gemeinderat Hettstadt die Genehmigung für ein kleines Windrad ab, das die urchristlichen Landwirte auf der Hettstädter Apfelplantage errichten wollten. Eine solche ökologisch sinnvolle Einrichtung muss nach geltender Rechtslage genehmigt werden – und das wurde sie dann später auch, allerdings ersatzweise vom Landratsamt Würzburg. Denn der Gemeinderat verweigerte entgegen der Rechtslage seine Zustimmung und verzögerte auf diese Weise das Projekt um einige Wochen. Eine völlig absurde Verhaltensweise. Doch aus dem Mittelalter heraus ist sie rasch erklärt: ein Katholik oder Protestant darf einem „Ketzer“ nicht zustimmen, auch wenn dieser noch so im Recht ist. O Im Februar 2005 beschloss der Gemeinderat Hettstadt, eine von Urchristen angelegte Hecke mit schwerem Gerät roden zu lassen. Der Grund: Sie war versehentlich wenige Meter über das Grundstück hinaus gepflanzt worden. An dieser Stelle war seit vielen Jahren der ursprüngliche Wegverlauf nicht mehr ersichtlich, ohne dass sich bis dahin irgendeine Behörde darum geschert hätte. Angebote der urchristlichen Landwirte, die wenigen Quadratmeter hinzuzuerwerben und die ökologisch wertvolle Hecke zu erhalten , wurden rundweg ausgeschlagen. Wenn wir die „Ketzer“ heutzutage schon zähneknirschend unter uns dulden müssen – dann dulden wir wenigstens ihre Hecke nicht und reißen sie aus! O Im Jahr 2006 wurde von Gemeinderäten mehrfach behauptet, die an den Grenzen des Gutes Terra Nova installierten Videokameras dienten „nur der Beobachtung der Bevölkerung“. Nachdem nun in der Hettstädter Apfelplantage 150 Apfelbäume abgeknickt und ein Hoftor eingerammt wurde, könnten sich die betreffenden Gemeinderäte ja überlegen, was sie tun würden, wenn auf ihrem eigenen Grundstück so etwas geschehen würde – und welche Schutzmaßnahmen sie dann ergreifen würden. Liebe Mitbürger, lassen Sie all diese Geschehnisse der letzten 22 Jahre – und es war nur ein kleiner Ausschnitt – einmal in Ruhe auf sich wirken. Was ist die Botschaft darin z.B. für einen jungen Menschen, der in dieser Gemeinde aufwächst? Was setzt sich über Jahre hinweg im Bewusstsein (oder Unterbewusstsein) einer Dorfgemeinschaft fest? Lautet das Signal nicht immer wieder: Das sind „die da“, „die anderen“, die Auszugrenzenden? „Sie müssen keine Achtung vor denen haben“, sagte der lutherische Pfarrer Haack im Juni 1986 wörtlich. Wenn nun schwache Gemüter, die ihre Schwäche mit Gewalt überdecken wollen, eine Zielscheibe suchen, um ihr Mütchen zu kühlen, wo werden sie sich – unter anderem – hinwenden? Wir wollen, wie gesagt, nicht unnötig in der Vergangenheit wühlen. Doch die jüngsten Äußerungen aus dem Gemeinderat zeigen, dass das Problem einer über Jahre hinweg währenden Ausgrenzung einer religiösen Minderheit nicht einmal ansatzweise erkannt, geschweige denn aufgearbeitet wurde. Statt dessen wird wieder einmal versucht, die Opfer der Aggressionen zu Tätern zu machen: Diese bösen Menschen sind immer so unbequem und setzen sich frecherweise gegen Unrecht zur Wehr. Doch für ein Dorf gilt genauso wie für ein Volk oder für den Einzelmenschen: Ohne Aufarbeitung der Fehler der Vergangenheit kein klarer Weg in die Zukunft. Mittelalterlich oder scheinheilig? Falls die Gemeinderäte, die sich angesprochen fühlen, diese Vergangenheit, die zum Teil noch gar nicht so lange zurückliegt, von A bis Z in Ordnung fänden, dann wären (Main-Post: bitte richtig zitieren!) sie tatsächlich „mittelalterlich“, weil sie nicht über den Tellerrand der kirchlichen Dogmen hinausdenken könnten. Falls sie Betreffenden jedoch wüssten, dass ein solches Verhalten dem Geist des Grundgesetzes widerspricht, dann wären sie zumindest äußerst scheinheilig. Was denken Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Was trifft zu? Schreiben Sie uns Ihre Meinung! Auf jeden Fall empfehlen wir Ihnen, bei der kommenden Gemeindratswahl im März 2008 nur solchen Kandidaten Ihre Stimme zu geben, die frei von religiösen Vorurteilen sind und für ein faires und tolerantes Miteinander verschiedener Bevölkerungsgruppen eintreten. Die Landwirte des Gutes Terra Nova V.i.S.d.P.: Terra Nova
GmbH & Co Betr. KG, Georg Simon und Florian Fröschl, Gutshof, 97259
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