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„Wir gehören aber nicht zu den Ketzern!“  

Distanzierung in vorauseilendem Gehorsam

 

Geschehen am 22.7.06 um 11.30 Uhr. Ein Mann betritt eine Drogerie in der Bahnhofstraße in Würzburg. Am Eingang steht ein Sonderstand der Firma Gut & Gerne mit Bio-Produkten. Die Verkäuferin spricht den Mann an: „Wir haben sehr gute Produkte. Und wir gehören nicht zum Universellen Leben. Wollen Sie probieren?“  

Der Mann fragt nach: „Weshalb sagen sie mir: ‚Wir gehören nicht zum Universellen Leben?’“ Die Frau antwortet: „Das Universelle Leben ist eine Glaubenssekte, die in Würzburg stark vertreten ist und auch Bioprodukte vertreibt. Man hört, dass die dort Angestellten für ihre Arbeit nur Hungerlöhne bekommen.“  

Der Kunde, der selbst dieser Glaubensgemeinschaft angehört und in einem der Betriebe arbeitet, die von Angehörigen dieser Bewegung gegründet wurden, fragt nach: „Sie behaupten, die Arbeiter bekämen Hungerlöhne. Sind Sie sicher, dass das so ist?“ Die Frau antwortet: „Nein, ich habe es nur so gehört.“ „Wissen Sie“, entgegnet der Kunde, „dass, wenn Sie solche Gerüchte weitergeben, dass Sie dann Rufmord begehen? Ich arbeite nämlich in einem dieser Betriebe und erhalte seit 15 Jahren einen guten Lohn.“ Die Frau wird verlegen und sagt nichts mehr. 

Dabei hat sie „nur’“ etwas zur Grundlage ihres Denkens und Tuns gemacht, was schon im Mittelalter in die Köpfe der Katholiken hineingehämmert wurde: Wer mit einem Ketzer Geschäfte macht, ist selber einer. Und nachdem sie davon ausging, dass – mehr oder weniger unbewusst – auch viele der Kunden so denken, tritt sie die Flucht nach vorne an: Vorauseilender Gehorsam, von der Inquisition erpresst und durch die Angst vor Umsatzeinbußen verstärkt. Denn gute Produkte, in ehrlicher Arbeit hergestellt,  die sind von vorne herein „verdächtig“. Das war übrigens auch bei den „Ketzern“ im Mittelalter schon so. Deren Aufrichtigkeit und gute Arbeit wurde oft gerühmt, und wer sich von ihnen distanzieren wollte, zählte schnell seine Laster auf, um zu bezeugen: Ich bin ein ganz normaler Sünder. 

Sich vom Universellen Leben zu distanzieren, gehört im übrigen in gewissen Würzburger Geschäftskreisen fast schon zum guten, oder besser gesagt: zum schlechten Ton. Im Buch „Der Steinadler und sein Schwefelgeruch“ sind in Kapitel 3.15 (S. 413ff) zahlreiche Beispiele aufgeführt.

 

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